Die Untersuchung "nachhaltiger Entwicklung" in den Wissenschaften sowie in ausgewählten europäischen Regionen verknüpft materielle Ausprägungen mit politischen Prozessen, in denen zentrale Begriffe diskursiv besetzt und wirkungsmächtig werden.
FKZ:07 NGS 11, Projektlaufzeit:01.07.2002 - 30.06.2007
Seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro und dem dort beschlossenen Aktionsprogramm Agenda 21 soll das Prinzip "Nachhaltigkeit" leitend für Politiken auf allen Ebenen (lokal, regional, national, global) sein.
"Nachhaltigkeit" ist aber eine Idee, deren Komplexität herkömmliche Ressortgrenzen in der Politik als auch Disziplinengrenzen der Wissenschaften sprengt und zudem gesellschaftlich höchst unterschiedlich interpretiert wird. "Umwelt" und "Natur" zum Beispiel bestehen nicht nur aus messbaren "Tatsachen", sondern sind auch kulturell und historisch produzierte Begriffe. Dies führt zu vielfältigen Problemen in der Umsetzung des Nachhaltigkeitsleitbildes, bei der die ausgewogene Verwirklichung ökonomischer, ökologischer und sozialer Ziele im Vordergrund stehen soll.
All diese Ziele haben sowohl eine materielle als auch eine symbolische Dimension . Diesen Dimensionen wollen wir nachgehen: Wodurch wird das wissenschaftliche, gesellschaftliche und politische Verständnis von "Nachhaltigkeit" geprägt? Was bedeutet das für die Umsetzung, z. B. in der Siedlungsentwicklungspolitik einzelner Städte und Regionen?
Die Beantwortung dieser Fragen soll erhellen, wie und warum es zu der allgemein beklagten Diskrepanz zwischen Reden und Tun, zwischen Denken und Handeln kommt und welche Rolle den Spielregeln von Politik und Wissenschaften dabei zukommt.
Zur Analyse von "nachhaltiger Entwicklung" in europäischen Regionen untersuchen wir Wissenschafts- und regionale Diskurse sowie politische Prozesse.
Unser Wissenschaftsbezug: Wir erforschen den wissenschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs in den Natur- und Technikwissenschaften sowie der Ökonomie, um Paradigmen und Sichtweisen in der Betrachtung von "Natur" und "Umwelt" und ihre Auswirkungen für die Idee der Nachhaltigkeit zu beschreiben.
Der regionale Bezug: Wir haben für unsere empirischen Studien drei Regionen ausgewählt, die eine nachhaltige Entwicklung als politisches Ziel für sich formuliert haben: die Regionen Hamburg, Wien und den Südraum Leipzig. Bei der Analyse regionaler Diskurse wird "Nachhaltigkeit" in den verschiedenen Regional- und Stadtentwicklungskonzepten sowie in der Presseberichterstattung untersucht. Da "nachhaltige Entwicklung" auch eine wichtige materielle Dimension hat, gehen wir in unseren Untersuchungsregionen auch Entwicklungen von Flächen- und Materialverbräuchen nach.
Fragen an die Praxis: Wir fragen Akteure vor Ort nach ihren Sichtweisen: Welche Möglichkeiten und Grenzen sehen Verwaltungen, Politik und Nichtregierungsorganisationen im Hinblick auf die Umsetzung von "Nachhaltigkeit"? Welche Rolle spielen wissenschaftliche Beiträge zum Thema Nachhaltigkeit in den regionalen politischen Prozessen? Wie ist die Agenda 21 als Instrument zur politischen Steuerung zu beurteilen?
Wir arbeiten theoriegeleitet, interdisziplinär und praxisorientiert. Wir sind Teil des neuen Förderschwerpunktes Sozial-ökologische Forschung (SÖF) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Diskursanalyse: Meilensteine der Nachhaltigkeitsdebatte, wie z. B. der Brundtland-Bericht oder die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland", sowie für das heutige Nachhaltigkeitsverständnis relevante wissenschaftliche Diskurse stehen im Vordergrund unserer Diskursanalyse. Diese wird auch auf regionaler Ebene angewandt, um die Ausrichtung lokaler Nachhaltigkeitsleitbilder zu untersuchen.
Netzwerk- und Leitbildanalyse: Mit der qualitativen Netzwerk- und Leitbildanalyse bearbeiten wir die auf politische Prozesse bezogenen Fragestellungen in den Regionen.
Materialflussanalyse: Mit Hilfe der Materialflussanalyse (MFA) lässt sich die Gesamtheit aller Zu- und Abflüsse (der "Durchsatz") von Rohstoffen, Halb- und Fertigprodukten in eine Region hinein und aus ihr heraus berechnen.
GIS-gestützte Strukturanalyse: Zur Bestandsaufnahme und Analyse des regionalen Flächenverbrauchs bauen wir geographische Informationssysteme (GIS) auf.
Weitere Informationen bekommen Sie bei:
Dr. Fred Luks
Universität Hamburg, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Department Wirtschaft und Politik
Von-Melle-Park 9
20146 Hamburg
Tel: +49 (0)40-42838-2197
Fax: +49 (0)40-42838-4150
Email: Kontakt
Homepage des Projektes: http://www.neds-projekt.de
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[PDF - 277.0 kB]
(URL: http://www.sozial-oekologische-forschung.org/pot/download.php/M%3A356+Material+Flow+Analysis%2C+Discourse+Analysis+and+the+Rhetorics+of+%28Ecological%29+Economics/~/_media/NEDS_WP_1_03_2003.pdf)
[PDF - 234.2 kB]
(URL: http://www.sozial-oekologische-forschung.org/pot/download.php/M%3A355+Analyse+wissenschaftlicher+Evidenzproduktion+und+regionale+Bez%26uuml%3Bge/~/_media/NEDS_WP_3_05_2003.pdf)
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