Risikokonflikte visualisiert- Erstellung und Erprobung von internetbasierten Argumentationslandkarten

Laufzeit: 01.12.2005 - 30.06.2009

Projektziel ist die Entwicklung einer internetbasierten Visualisierung von Risikodiskursen als Argumentationslandkarten, die aus mindestens drei Elementen bestehen: einer Datenbankverwaltung von charakteristischen Elementen in Risiko-Diskursen, einer internetbasierten Oberfläche zum perspektivischen Aufbau von Argumentationslandkarte sowie dem Zugriff auf zentrale Texte über Knotenpunkte, wie z.B. Fachartikel. Diese Argumentationslandkarten werden anhand exemplarischer Fallstudien zu Nahrungsergänzungsmitteln und Nanopartikeln im Rahmen einer Kooperation von Informatikern, Sozialwissenschaftlern sowie Praxispartnern entwickelt.

Hintergrund
Faktische und vermutete Gefährdungslagen wie nanoskalige Materialien und BSE haben einen weiten Raum von öffentlichen und (sub-) politischen Risikodebatten geöffnet. Sie lassen unübersichtliche Arenen aus Expertisen, Gegenexpertisen und medialen Darstellungen entstehen, die für alle gesellschaftlichen Akteure durch ihre Komplexität und Dynamik immer schwerer zugänglich werden. Mit dem forschungsleitenden Stichwort "systemische Risiken" wird vor allem auf die Dynamik und Wandlungsfähigkeit dieser Risiken aufmerksam gemacht, die einen veränderten institutionellen Umgang erforderlich machen. Eine solche, stärker integrative Risikobetrachtung soll im Rahmen des Projektes durch eine Kartierung von Risikodiskursen ermöglicht werden.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Prototyps für die Darstellung von Risikokonflikten in Form von internetbasierten Argumentationslandkarten. Die Entwicklung des visualisierenden Verfahrens der Wissenserschließung und -kommunikation geschieht im Rahmen einer transdisziplinären Kooperation von Sozialwissenschaftlern, Informatikern und Praxispartnern. Die Argumentationslandkarten sollen eine neue Form des gesellschaftlichen Umgangs mit systemischen Risiken ermöglichen. Dazu werden zwei beispielhafte Risikofelder (Nahrungsergänzungsmittel und nanoskalige Materialien) mit den jeweils beteiligten Akteuren, Stoffen und Argumenten "kartiert" bzw. durch eine internetbasierte Verknüpfung von Zusammenhängen in Text und Bild rekonstruiert.

Arbeitsschritte
Die Wissensansprüche, Risikoverständnisse und standortbezogene Beurteilungen der unterschiedlichen, am jeweils betrachteten Risikokonflikt beteiligten Akteure sowie ihre dynamische und aufeinander bezogene Entwicklung werden mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Methoden der Diskursanalyse analysiert und beschrieben. Sodann wird ein Softwaretool für die verknüpfende Darstellung dieser "Daten" auf internetbasierten Oberflächen entwickelt. Liegen erste Versionen von Visualisierungsformen vor, die sowohl der Komplexität der Risikokonflikte als auch den Wünschen potentieller Nutzer gerecht werden können, wird in Stakeholderworkshops die Praxistauglichkeit solcher Kartierungen im Umgang mit strategischen Risiken optimiert.

Fallstudien

  • Nanoskalige Materialen
    Partikel mit sehr kleinem Durchmesser weisen oftmals neuartige Eigenschaften auf, die inzwischen in vielen Konsumprodukten und technischen Produkten genutzt werden. Aus den Erfahrungen im Umgang mit Asbest ist bekannt, daß kleine Partikel, auch wenn der Stoff sonst nicht toxisch ist, gesundheitsschädigende Wirkung haben können. Vor diesem Hintergrund gibt es eine Debatte über die Risiken von Nanomaterialien, die wächst, je mehr Konsumprodukte mit Nanoskaligen Materialien aufgerüstet werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel
    Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt. Eine wachsende, für VerbraucherInnen fast unüberschaubare Anzahl an Präparaten (z.B. Vitamine, Pflanzenextrakte) sind mittlerweile im Handel. Allerdings sind viele der ihnen zugeschriebenen positiven Wirkungen wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen. Eine Überdosierung kann mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Die bestehenden rechtlichen Regelungen sind bisher lückenhaft, eine Zulassungspflicht besteht nicht.

 

Die Projektpartner
Das Projekt wird von der Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V. (MPS) und dem Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg durchgeführt. Zum Projekt-Team gehören: Gerald Beck, Christoph Böschen, Astrid Engel, Dr. Martina Erlemann, Dr. Cordula Kropp, Dr. Simon Meißner, Claudia Rall (Projektsekretariat) und Dr. Jens Soentgen und Stefan Sturm.

Die Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V. (MPS) ist ein gemeinnütziges, unabhängiges Forschungsinstitut, das sich - jenseits von reiner Grundlagen- und kommerzieller Auftragsforschung - dem Ziel einer problemorientierten Forschung verpflichtet hat. Fragen, Entwicklungstrends und Probleme zum Leitbild "Nachhaltiger Entwicklung" werden seit vielen Jahren in den Dimensionen Kommunikation, Umweltbewusstsein, Lebensstile und Konsum, Politik der Nachhaltigkeit, bürgerschaftliches Engagement, Risikoforschung und Transdisziplinarität beforscht.

Das WissenschaftsZentrum Umwelt (WZU) bündelt die umweltwissenschaftlichen und umwelttechnologischen Kompetenzen der Universität Augsburg zu interdisziplinären Projekten. Die Mitglieder des WZU sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 6 verschiedenen Fakultäten der Universität Augsburg. Externe und interne Umweltexperten erweitern den Kreis. Forschungsthema des WZU ist der zukunftsfähige Umgang mit Stoffen, Materialien und Energie.

Zur Entwicklung eines geeigneten Softwaretool für Risiko-Wissenskartierungen besteht eine enge Kooperation mit der Software und Consultung GmbH (SoUCon) Das Karlsruher Unternehmen erarbeitet seit 1999 kundenspezifische Technologielösungen für Industrie und Wissenschaft.

Zur problemorientierten Analyse der Fallstudien und zur Sicherstellung eines geeigneten Praxistransfers bestehen zum Zeitpunkt der Antragsstellung bereits Kooperationsvereinbarungen mit einigen Partnern aus der weiteren Praxis, wie dem World Environment Center (WEC), DIALOGIK, dem International Risk Governance Council (IRGC, Genf), der Münchner Rück AG (München) sowie dem Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Umwelt, Abt. Forschungskoordination und Risikoanalyse (Sitz Erlangen). Eine Erweiterung der bislang etablierten Praxiskooperationen ist erwünscht.

Schließlich ist das Forschungsvorhaben mit dem internationalen Netzwerk "Cartography of Scientific Controversies" (http://http://www.ccscgroup.org/), eine Initiative von Prof. Bruno Latour (École des Mines, Paris) und Dr. Warren Sack (UC Berkeley), vernetzt, das in der "Galerie der Forschung" an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unter Leitung von Dr. Albena Yaneva weiter etabliert wird.

Ansprechpartner/in
Dr. Cordula Kropp
Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V.
Forschung zu Nachhaltiger Entwicklung
Dachauer Str. 189
D-80637 München
Tel:  +49 (0)89-155760
Fax: +49 (0)89-1577949
Email: Kontakt Kropp

Dr. Jens Söntgen
WissenschaftsZentrum Umwelt
Universität Augsburg
Universitätsstr. 1a
D-86159 Augsburg
Tel.: +49 (0)821-598-3560
Fax: +49 (0)821-598-3559
Email: Kontakt Böschen; Kontakt Söntgen

Homepage des Projektes: http://www.risk-cartography.org/


 

 

Publikationen im Rahmen des Projekts

1 Projektpublikation

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Kontakt

  • Prof. Dr. Cordula Kropp

    • Münchner Projektgruppe für Sozialforschung (MPS) e.V. Forschung zu Nachhaltiger Entwicklung
    • Hermann-Lingg-Str. 10
    • 80336 München
    • Telefonnummer: +49 (0)89 15 57 60
    • Faxnummer: +49 (0)89 15 77 949
    • E-Mail-Adresse:
  • Dr. Jens Soentgen

    • Universität Augsburg
    • Universitätsstr. 2
    • 86159 Augsburg
    • Telefonnummer: 0821/ 59 83 560
    • Faxnummer: 0821/ 59 83 559
    • E-Mail-Adresse: