Mit der Querschnittsarbeitsgruppe soll die Weiterarbeit an einem zentralen theoretischen Konzept der sozial-ökologischen Forschung organisiert und durchgeführt werden, dem Konzept der "gesellschaftlichen Naturverhältnisse". Dieses Konzept war bereits im Zusammenhang mit der Erstellung des Rahmenkonzeptes für die sozial-ökologische Forschung von Bedeutung und soll dazu beitragen, noch weitgehend unverbundene Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen und der sozialwissenschaftlichen Umweltforschung problembezogen miteinander zu verknüpfen.
Bei der QAG "Gesellschaftliche Naturverhältnisse" geht es insbesondere um Veränderungen und Transformationen und somit um die Frage, wie sich ökologische, ökonomische, soziale und politische Entwicklungsdimensionen integrieren lassen. Forschungspraktisch ist daran gedacht, Modelle dieser Veränderungen zu konstruieren; dies setzt aber ein Klärung der theoretischen Implikationen voraus sowie ein fundiertes Verständnis der Dynamik komplexer Natur-Gesellschafts-Systeme.
"Gesellschaftliche Naturverhältnisse umfassen eine materielle und eine symbolische Dimension. Die Materialität von Naturverhältnissen bezieht sich auf die gegenständlichen, stofflich-energetischen Aspekte von Phänomenen und korrespondiert mit wirkungsabhängigen Folgen ...; der Symbolcharakter bezieht sich auf den Aspekt der Zeichenhaftigkeit von Phänomenen und korrespondiert mit deutungsabhängigen Folgen von Ereignissen... Beide Pole, Natur und Gesellschaft, sind auf unterschiedliche Weise materiell und symbolisch strukturiert." (Jahn / Wehling 1998:84-85) ... Dahinter verbergen sich somit "wirtschaftliche, politische, kulturelle und wissenschaftlich-technische Formen, in denen insbesondere die hochindustrialisierten Gesellschaften ihren Umgang mit der natürlichen Umwelt gestalten" (Jahn/ Wehling 1998:80-81).
Diese Beziehungsmuster können vielfältige Formen annehmen. Stichwörter hierzu sind: Konflikthaf-te Aushandlungsprozesse über die gewünschte Gestaltung der gesellschaftlichen Naturverhältnisse, problematische Mensch-Natur-Interaktion, System-Umwelt-Beziehungen, strukturelle Kopplung von Natur und Gesellschaft, Zusammenwirken natürlicher und sozialer Systeme, Koevolution von Natur und Gesellschaft. Wie in diesen Stichwörtern bereits angedeutet ist sind vielfältige sowohl theoretische als auch methodische Zugänge möglich (von der Makrosoziologie bis zur Humanökologie; von bedarfsfeldbezogenen Analysen bis zur Industrial Ecology); in der QAG werden wir versuchen, sowohl die Vielfalt an Zugängen zu beachten, gleichwohl aber auch eine Systematisierung und Fokussierung zu erreichen.
In der QAG wird von der Prämisse ausgegangen, dass die von einzelnen Projekten in der sozial-ökologischen Forschung gewählten unterschiedlichen theoretische Zugänge zum Forschungsfeld nicht nur die konkrete Forschungsarbeit vorstrukturieren, sondern auch das Spektrum möglicher Ergebnisse begrenzen. Gerade deshalb ist es nötig, dass im Forschungsfeld bei allem theoretischen und methodischen Pluralismus an einem gemeinsamen und tragfähigen theoretischen Rahmen gearbeitet wird. Darin werden Teilkonzepte und themenspezifische Konkretionen erkennbar, die sich gegenseitig stützen und erläutern.
Die QAG hat somit folgende Aufgaben:Als Ergebnis des ersten Workshops der QAG kann festgehalten werden, dass Übereinstimmung dahingehend besteht, in einem Folgeworkshop mit dem Problem der "kognitiven Integration" einzustei-gen und von dieser Problemstellung aus Antworten auf vier Fragen als zentrale erachtete Fragen zu versuchen:
Dr. Thomas Jahn
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Hamburger Allee 45
60468 Frankfurt am Main
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