Laufzeit: 01.05.2003 - 31.10.2005
OSSENA erforscht und gibt Anstöße für Ernährungskulturen, die Ressourcenschutz, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Stabilität und individuelles Wohlbefinden verbinden. Kurz: nachhaltige Ernährungskulturen. Forschungsgebiet ist Ostfriesland.
Der Fokus des Forschungsprojektes richtet sich darauf, die Möglichkeiten und Grenzen einer nachhaltigen Ernährungskultur auszuloten. "Ernährungskultur" umfasst dabei nicht nur die konsumentenseitige Dimension der Auswahl und des Verzehrs von Lebensmitteln. Zur Ernährungskultur gehören ebenso die Weisen der landwirtschaftlichen oder industriellen Erzeugung von Nahrung, deren Distribution und Vermarktung sowie die Techniken der Zubereitung von Speisen und die im Ernährungsfeld relevanten materiellen Kulturgüter. Als zentrale Kriterien einer nachhaltigen Ernährungskultur sollen dabei insbesondere die Aspekte "Regionalität" und "Qualität" ins Auge gefasst werden, und zwar in ihrer kulturellen Dimension. Das heißt, es geht mit dem Konzept einer regionalen Ernährung nicht nur um eine territorial verstandene Nähe, um eine "Küche der kurzen Wege", sondern auch um die Entwicklung sozialer Kommunikationsräume, um emotionale Vertrautheit und um Lebensnähe. Ebenso soll der Begriff Ernährungsqualität nicht wie allzu oft auf Größen reduziert bleiben, die sich lediglich auf die biologisch/chemisch messbaren Eigenschaften von Lebensmitteln beziehen (z.B. Vitamingehalt, Wassergehalt, Farbe, Größe, Schadstoffbelastung etc.). Die Qualität von Nahrung bemisst sich - als exponierte Bestimmungsgröße der Lebensqualität - für die einzelnen Menschen im Alltag zentral nach ihren symbolischen und emotionalen Eigenschaften und schließt den Genussaspekt wesentlich ein. In einer disziplinübergreifenden Kooperation, die Kompetenzen aus den Bereichen der Agrarwissenschaften, der Ernährungssoziologie, der Pädagogik und Psychologie sowie einer kulturtheoretisch orientierten ökonomischen Forschung bündelt, soll mit den geplanten Forschungsarbeiten der noch immer überwiegend ökologisch dominierten Nachhaltigkeitsforschung im Felde der Ernährung eine grundlegende sozial- und kulturwissenschaftliche Erweiterung an die Seite gestellt werden.
Das wissenschaftliche Interesse des Forschungsvorhabens richtet sich in erster Linie auf die Frage, welche ernährungskulturellen Orientierungen verschiedenen Ess-Stilen zugrunde liegen und wo sich Hemmnisse und Potenziale für eine Veränderung in Richtung auf eine nachhaltige Ernährung festmachen lassen. In theoretischer Hinsicht setzt dies voraus, größere Klarheit über das Konstrukt "Ernährungskultur" zu erlangen und dieses empirisch zugänglich zu machen. Entgegen zahlreicher Studien, die auf die Ernährungsverhaltensebene beschränkt bleiben, wird mit diesem Forschungsvorhaben der Versuch unternommen, bis in die Tiefenschichten ernährungskultureller Orientierungen vorzustoßen und Erkenntnisse über die Relevanz von kulinarischen Deutungsmustern, symbolischen Ordnungen, Imaginationen etc. zu gewinnen.
In enger Verzahnung mit der theoretischen und empirischen Erschließung des Feldes Ernährungskultur verfolgt das ausdrücklich als Aktionsforschung angelegte Projekt auf der Umsetzungsseite das Ziel, mittels vielfältiger, sowohl individuenbezogener als auch angebotsstruktureller Interventionen, Impulse für die Entwicklung einer nachhaltigen Ernährungskultur in der Region Ostfriesland zu geben. Mit Aktionen im öffentlichen Raum, in Handel und Gastronomie, mit handlungsorientierten Unterrichtseinheiten in Schulen und mit speziellen Angeboten für die landwirtschaftlichen Erzeuger soll ein ernährungskultureller Wandel angestoßen werden. Es ist außerdem vorgesehen, regionale Netzwerke zu institutionalisieren, welche die regionale Wertschöpfungskette stärken und die heterogenen Akteure zusammenführen. Als dauerhaftes Ergebnis wird eine Orientierung des regionalen Profils auf nachhaltige Ernährungsmuster angestrebt, womit Ostfriesland in der Konkurrenz der Regionen einen zukunftsfähigen Platz erhalten soll.
Weitere Informationen bekommen Sie bei:
Dr. Irene Antoni-Komar
Universität Oldenburg
FK II
Institut für BWL und Wirtschaftspädagogik
Projekt OSSENA
26111 Oldenburg
Tel: +49 (0)441-798-4457
Fax: +49 (0)441-798-4193
Email: Kontakt
Homepage des Projektes: http://www.ossena-net.de/
Hier können Sie gezielt nach Publikationen suchen.
[PDF - 585,7 kB]

(URL: http://www.sozial-oekologische-forschung.org/_media/OSSENA-Diskussionspaper_Gastronomie.pdf)
[PDF - 753,3 kB]
(URL: http://www.sozial-oekologische-forschung.org/_media/OSSENA-Diskussionspaper_Absatzwege_ldw._Spezialitaeten.pdf)
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