Laufzeit: 01.10.2003 - 30.09.2006
Das interdisziplinäre Projekt untersucht gesellschaftliche und ökologische Prozesse in Agrarintensivregionen vor dem Hintergrund landwirtschaftlich induzierter Umweltprobleme sowie sich wandelnder politisch-wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.
Partizipative Modellbildung, Akteurs- und Ökosystemanalyse in Agrarintensivregionen
Landwirtschaftlich geprägte Regionen, und solche mit Intensivbewirtschaftung im Besonderen, gehören heute zunehmend zu Verursachern von Umweltproblemen (Beispiele: Nitrat- und Pestizidproblematik). Zugleich sind sie selbst einem wachsenden Anpassungsdruck ausgesetzt. Dazu gehören in Europa unter anderem die anstehenden agrarpolitischen Änderungen im Zuge der Osterweiterung, agrarindustrielle Konzentrationsprozesse sowie anspruchsvolle umweltpolitische Regelungen. So verlangt etwa die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die sich zurzeit im Prozess der Umsetzung befindet, bis 2015 einen europaweit guten Zustand des Grund- und Oberflächenwassers. Unter den integrativen Regelungsansatz dieser neuen Gesetzgebung fallen auch die diffusen Stoffeinträge der (Intensiv-)Landwirtschaft.
Angesichts der wachsenden Umweltbelastungen sowie der zunehmend komplexen Situation und der steigenden Unsicherheiten, denen sich Agrarintensivregionen ausgesetzt sehen, erscheint es dringend geboten, Szenarien und Strategien für die sich abzeichnenden Transformationsprozesse zu erarbeiten. Daran besteht auch seitens der Akteure in diesen Regionen ein großes Interesse. Die sozial-ökologische Forschung kann hier dazu beitragen, wissenschaftlich fundierte Methoden zur Erstellung von Szenarien einer stärker nachhaltigen Intensivlandwirtschaft unter sich ändernden Rahmenbedingungen zu entwickeln, und zwar sinnvollerweise unter direkter Einbeziehung derjenigen Akteure, für die diese Szenarien letztlich von Belang sind.
Szenarien als in sich konsistente Pfade zukünftiger Entwicklungen basieren jeweils immer auf bestimmten Annahmen über Daten und kausale Zusammenhänge. Zu diesen gehören zum einen die geoökologischen Mechanismen z. B. der Nitratauswaschung in das Grundwasser in Abhängigkeit von Gülleausbringung, Bodenbeschaffenheit und Ackerfrucht. Menschliche Aktivitäten wie etwa die Landnutzung und Düngerausbringung hängen ihrerseits von einem weiten Set geoökologischer, technischer, ökonomischer, rechtlicher sowie gesellschaftlicher Faktoren ab. Als Beispiele seien nur die Bodengüte, Verfahren zur effizienten Gülleausbringung und -verwertung, Ertragspreise und Subventionsbedingungen, Güllevorschriften sowie Wahrnehmungen und Traditionen der Landwirte genannt. Wichtiger Aspekt kausaler Zusammenhänge ist auch die räumliche Skala, auf der diese stattfinden. So ist es für die Bestimmung von Entwicklungsmöglichkeiten einer Region von mitunter entscheidender Bedeutung, inwieweit Einflussfaktoren endogener oder exogener Natur sind bzw. inwieweit die - positiven wie negativen - Folgen regionaler Aktivitäten auf die Region beschränkt bleiben oder auf entferntere Räume ausstrahlen. Dies determiniert letztlich die räumliche Skala für sinnvolle institutionelle Veränderungen.
Ziel und Aufgabe des deutsch-österreichischen Kooperationsprojektes PartizipA ist es, in zwei Regionalstudien diesen vielfältigen Einflussfaktoren nachzugehen und darauf aufbauend realistische Szenarien zu erzeugen. In den ausgewählten Agrarintensivregionen - nördlicher Landkreis Osnabrück auf deutscher und Region St. Pölten auf österreichischer Seite - spielen vielfältige Aspekte strukturellen Wandels eine Rolle. Den regionalen Akteuren, ihren Interessen, Wahrnehmungen und Machtpotentialen sowie institutionellen und rechtlichen Faktoren kommt dabei ein besonderes Gewicht zu. Den Schwerpunkt der Projektarbeit bildet ein "Akteursforum". In dessen Rahmen werden sowohl Landwirte und Vertreter landwirtschaftlicher Vereine als auch Vertreter von Wasserversorgern, Umweltverbänden, Behörden und anderer Organisationen zu mehreren workshopartigen Treffen eingeladen. Ziel dieses Forums ist es, ein gemeinsames Verständnis der in der Region anstehenden Probleme und Herausforderungen zu entwickeln, Beiträge zur Entwicklung von wünschenswerten und wahrscheinlichen Szenarien zu liefern und diese in einem iterativen Prozess auch auf ihre Plausibilität zu testen und damit weiter zu verbessern.
Eine wichtige Funktion kommt dabei Rollenspielen, Modellen und Computersimulationen zu. Agentenbasierte Modelle bilden beteiligte Akteure, deren Wahrnehmungen und Handlungsmuster in vereinfachter Form explizit ab. Anders als z. B. Modelle auf der Basis von Differentialgleichungen sind agentenbasierte Modelle auch Nicht-Programmierern intuitiv leicht zugänglich. Sie sind daher gut geeignet, im Rahmen des Akteursforums eingesetzt und bezüglich ihrer Struktur von den beteiligten Personen überprüft zu werden. Für die Bildung von Szenarien soll ferner ein komplexeres, räumlich-mehrskaliges Agentenmodell entwickelt werden, das es auch erlaubt, zusätzliche Parameter wie Änderungen in den Subventionsbedingungen oder den Umweltbestimmungen auf das Verhalten der Akteure abzubilden. Schließlich werden auch die ökosystemaren Auswirkungen veränderter Landwirtschaft in einem Modell auf der Basis eines Geografischen Informationssystems (GIS) abgebildet. In diesem Zusammenhang sollen auch ökologische Nachhaltigkeitsindikatoren entwickelt werden.
Das Erkenntnisinteresse des PartizipA-Projektes geht deutlich über die Regionalstudien hinaus. Zum einen wird erwartet, dass der Regionenvergleich bereits einiges über die Übertragbarkeit der verwendeten Methoden aussagt. Zum anderen sollen die vermuteten Kausalzusammenhänge und Hypothesen in Bezug auf das Handeln der Akteure an bestehende sozialwissenschaftliche Theorien angebunden werden, um so zu stärker generalisierbaren Äußerungen über den Einzelfall hinaus zu gelangen. Des Weiteren sind Computersimulation und Szenarienbildung auch geeignet, Theorien bezüglich ihrer Konsistenz zu verifizieren.
In praktischer Hinsicht wird von dem Forschungsprojekt eine gegenüber dem derzeitigen Kenntnisstand verbesserte Einsicht in Handlungsoptionen und Steuerungsmöglichkeiten in Richtung Nachhaltigkeit erwartet. Es besteht darüber hinaus die Hoffnung, dass der partizipative Prozess im Rahmen der Akteursplattform die Bildung informeller Kommunikationsnetzwerke weit über das Forschungsprojekt hinaus anstößt. Dadurch wäre ein konkreter Beitrag zur Umsetzung innovativer Nachhaltigkeitsstrategien in der jeweiligen Region geleistet. In jedem Fall sollten die verwendeten Methoden für die Projekt-Praxispartner nutzbar gemacht werden. Von besonderem Interesse ist es daher, zu verallgemeinerbaren Ergebnissen zu kommen, die sich in anderen, ähnlich strukturierten Regionen erfolgreich anwenden lassen. Dies gilt sowohl mit Blick auf die Methoden der partizipativen Modell- und Szenarienbildung als auch in Bezug auf neue inhaltliche Strategien im Umgang mit den anstehenden Herausforderungen in Agrarintensivregionen.
Weitere Informationen bekommen Sie bei:
Prof. Dr. Claudia Pahl-Wostl
Institut für Umweltsystemforschung
Albrechtstr. 28
49069 Osnabrück
Tel.: +49 (0)541-969-2536; Fax: +49 (0)541-969-2770
Email: Kontakt
Dr. Jens Newig
Inst. f. Umweltsystemforschung
Albrechtstr. 28
49069 Osnabrück
Tel.: +49 (0)541-969-2315
Fax: +49 (0)541-969-2770
Email: Kontakt
Homepage des Projektes: http://www.partizipa.net
Das Projekt bearbeitet das Thema im mehreren Teilprojekten. Wenn Sie Interesse an einem dieser näher definierten Themen haben, wenden Sie sich direkt an die Teilprojektleiterinnen bzw. Teilprojektleiter.
Fallstudie Deutschland / Region Osnabrück
weitere Informationen bei:
Prof. Dr. Claudia Pahl-Wostl
Inst. f. Umweltsystemforschung
Albrechtstr. 28
49069 Osnabrück
Tel.: +49 (0)541 969-2536
Fax: +49 (0)541 969-2770
E-Mail: Kontakt
Fallstudie Österreich / Region St. Pölten Umland
weitere Informationen bei:
Dipl.-Ing. Christof Amann
Fakultät für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (Klagenfurt - Graz - Wien)
Abteilung - Soziale Ökologie
Schottenfeldgasse 29
1070 Wien
Tel. +43 1 522 4000-404
Homepage: http://www.iff.ac.at/socec/
Hier können Sie gezielt nach Publikationen suchen.
[PDF - 243,7 kB]
(URL: http://www.sozial-oekologische-forschung.org/_media/FlyerPartizipA2006-12-29.pdf)
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(URL: http://www.partizipa.net)