Laufzeit: 01.09.2009 - 31.08.2013
Neue Politikformen für Nachhaltigkeit, Politikregime und sozial-ökologische Transformation
Ausgangslage
Wenn es darum geht, Probleme nachhaltiger Entwicklung zu analysieren, stehen Bedürfnisfelder, Sektoren, Regionen oder Technologien im Blickpunkt. Geht es um Lösungen, wird üblicherweise auf ,die Politik' verwiesen. Die Forschungsgruppe setzt hier an, indem sie die eigenen Strukturen und Dynamiken politischer Praxis zum Gegenstand macht.
Die Bedingungen und Möglichkeiten von Politik für nachhaltige Entwicklung werden als Politikinnovationen analysiert. Dabei werden Formen politischer Praxis und ihre Veränderung als endogene Komponente sozial-ökologischer Transformationsprozesse untersucht. Auf diese Weise wird eine Schwachstelle der Nachhaltigkeitsforschung beforscht, die darin besteht, dass Politik externalisiert wird und die eigenen Strukturen politischer Praxis und ihre Veränderungsmöglichkeiten nicht thematisiert werden.
Das führt dazu, dass Lösungen entworfen werden, als würden sie sich an einen imaginären, außerhalb der Gesellschaft stehenden, einheitlichen und rationalen Akteur richten, der diese Vorschläge nach Art des Platonschen Philosophenkönigs neutral erwägen und umsetzen könnte. In einem ersten Schritt kann eine solche Annahme sinnvoll sein, um abstrakte, aus der Problemanalyse abgeleitete Anforderungen zu formulieren. Weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten müssen sich dann jedoch auch mit der Eigendynamik des politischen Kontextes und den Bedingungen der Umsetzung befassen.
Einen Ansatzpunkt dafür bildet die empirische Analyse des Prozesses, in dem neue Politikformen entstehen und sich im Wechselspiel mit bestehenden Strukturen politischer Praxis weiterentwickeln und etablieren. Daraus können Verlaufsmuster, Einflussfaktoren und Mechanismen von Politikinnovationen ermittelt werden. Erst mit Bezug auf dieses ,Transformationswissen' können robuste Strategien entwickelt werden, die an bestehenden Strukturen politischer Praxis ansetzen und die Gestaltung von Veränderung beinhalten.
Projektziel
Die Forschungsgruppe Politikinnovationen untersucht die Entstehung, Entwicklung und Verbreitung von neuen Governanceformen. Der Fokus liegt auf der Beziehung zwischen Designdiskursen, die an universaler Anwendung orientiert sind, und der situativ spezifischen Dynamik von Politikprozessen in einzelnen Anwendungsfeldern. Empirisch untersucht die Forschungsgruppe die Entwicklung von "Politikinstrumenten" aus den weiteren Familien der Umweltmärkte und der deliberativen Bürgerbeteiligung. Der Forschungsansatz besteht darin, die Etablierung von "Instrumenten" als Innovationsprozess in der Politik zu analysieren. Ziel ist es, Muster und Dynamiken zu identifizieren sowie den Einfluss verschiedener Akteure in diesem Prozess herauszuarbeiten. Ein besonderes Interesse liegt dabei auf der sozialen Organisation von Regierungswissen und der Formation von Anhängerschaften aus Experten und Dienstleistern für bestimmte Politikinstrumente.
Konzeptionell baut auf Ergebnissen der Politik- und Governanceforschung wie auch der Wissenschafts-, Technik- und Innovationsforschung auf. Ein Konzept von Politikinnovationen wird in enger Wechselwirkung mit empirischen Studien zur Herstellung von Politikinstrumenten entwickelt. Die zweite Hälfte des Projekts beinhaltet die Durchführung von partizipativen Szenarioprozessen als Methode zur konstruktiven Öffnung von Designprozessen und zur Unterstützung der Reflektion von weiteren gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen.
Projektkoordination
Prof. Dr. Jan-Peter Voß
Technische Universität Berlin
Innovation in Governance Research Group
Sekretariat K 1-1
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
Tel. +49 (0)30 314 23665
Fax +49 (0)30 314 25917
voss[at]ztg.tu-berlin.de
www.ztg.de
http://www.innovation-in-governance.org/
Internationale Kooperationspartner
Stockholm Resilience Centre (SE)
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