Laufzeit: 01.06.2009 - 31.05.2013
Bedeutung und Innovationspotential der Zivilgesellschaft für die Honorierung ökologischer und kulturlandschaftlicher Leistungen
Ausgangslage
Wie können moderne Gesellschaften ihre Umweltprobleme lösen? Seit geraumer Zeit werden Antworten auf diese große Frage nicht nur klassisch im Ordnungsrecht gesucht, sondern auch in der Entwicklung und Umsetzung von ökonomischen Anreizinstrumenten. Wer zur Lösung von Umweltproblemen beiträgt, soll schließlich finanziell mindestens nicht schlechter dastehen als derjenige, der nichts tut oder gar die Probleme erzeugt.
Ökonomische Lösungsansätzen bauen dabei sowohl auf die Erkenntnisse der Ökosystem- und Landschaftsforschung als auch der Ökologische Ökonomie, der Forschung zu öffentlichen Gütern und Eigentumsrechten, aber auch der Umweltethik auf. Dass dabei bislang vor allem über staatlich organisierte Honorierungssysteme nachgedacht wurde, ist nicht verwunderlich. Umweltprobleme werden im ökonomischen Denken als Probleme öffentlicher Güter verständlich gemacht. Verstärkt durch die Diskussion über nachhaltige Gesellschaftsentwicklung, gerieten Umweltprobleme als komplexe - nicht nur ökologische, sondern auch gesellschaftliche - Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen in den Blick. Soziale und kulturelle Gegebenheiten rückten verstärkt in den Mittelpunkt. Die Frage, welche Regelwerke und welche Organisationsstrukturen notwendig sind, um den vielfältigen Umweltproblemen entgegen zu treten wird nun im Rahmen der Governanceforschung untersucht.
Diese neue Perspektive wird durch die teilweise enttäuschende Bilanz staatlicher Steuerungsversuche vorangetrieben. Die Rede von "Staatsversagen" im Umweltschutz macht die Runde. Wie können ökonomische Steuerungsinstrumente beispielsweise langfristig wirksam werden, wenn sie in Haushaltsverhandlungen strategisch politischen Entscheidungen unterworfen und in das zum großen Teil unflexible staatliche Regelungsgeflecht eingebunden sind?
In diesem Zusammenhang stehen die Fragen des Forschungsprojekts nach dem Beitrag, den die zivilgesellschaftlich organisierte und finanzierte Honorierung ökologischer Leistungen zur Lösung von Umweltproblemen leisten kann. Lassen sich mit solchen Anreizsystemen - die international unter dem Begriff "payment systems for ecosystem services" diskutiert werden - neue Beiträge zur Bewältigung der ökologischen Krise moderner Gesellschaften finden? Entfalten die ökonomischen Steuerungsinstrumente ihre volle Wirksamkeit, wenn sie auf bürgerschaftliches Engagement bei Planung (inklusive der Zielfindung), Ausgestaltung und Umsetzung von Honorierungsansätzen setzen? CIVILand widmet sich diesen Fragen u.a. mit einem gesellschaftsvergleichenden Forschungsansatz.
Projektziel
CIVILand konzentriert sich sowohl auf die Untersuchung von zivilgesellschaftlichen Initiativen (ZIL), die das Instrument der Honorierung ökologischer und kulturlandschaftlicher Leistungen anwenden als auch auf die Analyse der umgesetzten Honorierungsinstrumente. Insbesondere die unterschiedlichen Formen von Stiftungen werden als wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur im Blickfeld der Forschung stehen. CIVILand wird einen umfassenden und empirisch breit gestützten Überblick zur Rolle dieser ZIL für die skizzierte Fragestellung liefern, ohne sich auf diese zu beschränken. CIVILand wird die Bedeutung der Zivilgesellschaft für Transformationsprozesse hin zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft, insbesondere auch im ländlichen Raum, thematisieren. Der Vergleich der Verhältnisse in Deutschland, Großbritannien und den USA dient dabei als zentrales Erkenntnismittel.
Konkret werden folgende Forschungsfragen bearbeitet:
Projektkoordination
Dr. Bettina Matzdorf
Institut für Soziökonomie
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
Eberswalder Str. 84
15374 Müncheberg
Tel.: +49 (0)33432 82 150
matzdorf[at]zalf.de
http://www.civiland-zalf.org
Trägerinstitution
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
Projektpartner
Prof. Dr. H. Anheier, Dekan und Professor für Soziologie an der Hertie School of Governance, Berlin, sowie Direktor am Centrum für Soziale Investitionen und Innovationen (CSI), Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Ph. D. Robert Costanza, Direktor und Professor am Institute for Sustainable Solutions (ISS), Portland State University, USA
Prof. Dr. Klaus Eder, Professur für vergleichende Strukturanalyse, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften
Ph. D. Jon D. Erickson, geschäftsführender Direktor, Gund Institute for Ecological Economics, University of Vermont und Professor für Ökologische Ökonomie, Rubenstein School of Environment and Natural Resources, University of Vermont, USA
Dr. Peter H. Feindt, außerordentliche Professur für Umweltplanung, Cardiff University, Wales, UK
Prof. Dr. Ulrich Hampicke, früherer Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökonomie, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Dr. Thomas Köllner, Professor für Ecological Services, Universität Bayreuth
Prof. Dr. Klaus Müller, Professur Ökonomie und Politik ländlicher Räume, Department für Agrarökonomie, Humboldt-Universität zu Berlin
Prof. Dr. Miranda Schreurs, Leiterin der Forschungsstelle für Umweltpolitik (FFU), Freie Universität zu Berlin
Rupert Graf Strachwitz, Maecenata Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin
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