Biofuel as social fuel

Laufzeit: 01.09.2009 - 31.08.2013

Biokraftstoffe als sozialer Treibstoff

Ausgangslage
Aufgrund des globalen Klimawandels geraten fossile Brennstoffe zunehmend in die Kritik, wohingegen Substituierungen aus Bereichen nachwachsender Rohstoffe gefördert werden. Besonders im Bedürfnisfeld Mobilität wird nach Alternativen zur motorisierten Fortbewegung auf Grundlage fossiler Energieträger gesucht. Sowohl auf EU- als auch auf nationalstaatlicher Ebene (Erneuerbare-Energien-Gesetz; Biomasse-Nachhaltigkeitsverodnung Deutschland, Cramer Commission Niederlande) werden Wege eruiert, wie gesetzliche Regelungen zu Biokraftstoffen aussehen könnten. Die bis dato vorhandenen Zertifizierungssysteme fokussieren auf Nachhaltigkeit in der ökologischen und ökonomischen Dimension. Sie enthalten jedoch kaum Richtlinien, welche den Kriterien sozialer Gerechtigkeit Rechnung tragen oder vorgeben, wie mit möglicherweise auftretenden Problemlagen zweiter Ordnung umzugehen sei, zum Beispiel mit Nutzungskonkurrenzen der Anbauflächen und dem verstärkten Einsatz Grüner Gentechnik in Exportländern. Dies sind Gründe dafür, dass das Themenfeld Biokraftstoffe zusehends auf die Agenden national- und international agierender Nicht-Regierungsorganisationen rückt und insbesondere vor dem Hintergrund steigender Nahrungsmittelpreise kontrovers diskutiert wird.
Kann "Bio"-Treibstoff gemäß dem Schlagwort biofuel as social fuel zu einem Synonym für gesellschaftlichen Fortschritt im Sinne langfristiger globaler Lernprozesse werden? Dies würde einen sozial-ökologischen Transformationsprozess in Nord und Süd bedeuten, der technologische Neuerungen ebenso einschließt wie Veränderungen in den Produktionsweisen und den Konsumgewohnheiten. Social fuel zielt somit auf globale Nachhaltigkeit in ihrer Dreidimensionalität ab. Die Forschergruppe wird anhand von zwei Regionen (Brandenburg, Norte de Minas in der Region Minas Gerais, Brasilien) untersuchen, ob und unter welchen politischen Rahmenbedingungen (Nachhaltigkeitsstandards, eine entsprechende Instrumentierung, Anreizsysteme) eine nachhaltige Produktion und Nutzung von Biokraftstoffen möglich ist.


Projektziel
Ziel des Projektes ist es, Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe im Rahmen bestehender Zertifizierungsansätze am Beispiel von Brandenburg und Norte de Minas zu evaluieren, Strategien und Instrumente für eine nachhaltige Biokraftstoffproduktion und -nutzung anhand der Untersuchung der Regionen zu entwickeln sowie modellgestützte zielgruppenspezifische Handlungsstrategien zu formulieren.

Konkrete Aufgaben des Vorhabens:

  • Die Interdependenzen sowie sozial-ökologischen Implikationen und Konflikte des globalen Verflechtungssystem Biokraftstoffe sollen für Lokalitäten (Norte de Minas, Brandenburg) und ihr vielschichtiges Verhältnis zur Außenwelt erfasst werden. Ebenso sollen die notwendigen Bedingungen für einen nachhaltigen Umgang mit Biokraftstoffen in diesen Regionen eruiert werden.
  • In Fallstudien werden die Akteurs- und handlungsbezogenen Ebenen in den Regionen analysiert (was Akteure warum und wo tun). Ein Fokus liegt hierbei auf der Entstehung sozialer Netzwerke bei der Produktion von Biokraftstoffen, ein anderer auf der lokalen Wirkung von Normierungs- und Qualitätsstandards.
  • In Fall(kontext)analysen wird von der Makroebene aus untersucht, wie auf der (inter)nationalen Ebene steuernd auf lokale Besonderheiten reagiert wird und wie sich (inter)nationale ökonomische und politische Entwicklungen auf die Mikroebene auswirken. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der ökonomischen Bewertung von Biomassetechnologien und Produktionsprozessen in Brasilien und Deutschland, die entstehende ökologische und soziale Vor- und Nachteile einbezieht. Ein anderer Schwerpunkt liegt auf der Analyse des gesellschaftspolitischen Umgangs mit Biokraftstoffen in den Ländern mit Blick auf historisch-politische Entwicklungslinien sowie die Entstehung, Dauerhaftigkeit und Veränderung von Pfaden der Biokraftstoffpolitik.
  • Die Regionen werden modellhaft abgebildet, um Aussagen über notwendige Bedingungen für eine nachhaltige Biokraftstoffproduktion, wie auch über die lokale Wirkung von Zertifizierung als Anreizmechanismus, treffen zu können. Mit den Modellen können Szenarien bezüglich zukünftiger Entwicklungen in den Regionen dargestellt werden, die z.B. von einer Veränderung politischer und sozioökonomischer Rahmenbedingungen, der Akzeptanz gegenüber Biokraftstoffen und von den am PIK verfügbaren Landnutzungs- und Klimamodellen sowie Energieszenarien ausgehen.
  • Der theoretisch-konzeptionelle Rahmen, der Brückenkonzepte für eine sozial-ökologische Analyse überlokaler Verflechtungszusammenhänge und eine ökonomische Modellierung auf der Basis sozialwissenschaftlicher Daten beinhaltet, wird von der Forschergruppe weiterentwickelt.
  • Es werden Roadmaps für eine nachhaltige Biokraftstoffproduktion in den Regionen unter Einbindung der Praxispartner erstellt. Wichtige Eckpfeiler des Roadmappingprozesses sind Bedarfs- und Potenzialanalysen, Zukunftsbilder und Szenarien, die in der Gruppe sowie in Experten- und regionalen Stakeholder-Workshops generiert werden. Die Roadmaps stellen eine wichtige Grundlage für die Formulierung von modellgestützten zielgruppenspezifischen Handlungsoptionen (Best-Practice-Ansätze) dar.


Projektkoordination
Dr. Kirsten Selbmann
PIK - Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V.
(Potsdam Institute for Climate Impact Research)
Forschungsfeld III - Nachhaltige Lösungsstrategien
Telegrafenberg A51
14473 Potsdam
Tel.: + 49 (0)331 288 2672
selbmann[at]pik-potsdam.de
http://www.pik-potsdam.de
http://www.biofuel-socialfuel.de

 

Publikationen im Rahmen des Projekts

9 Projektpublikationen

Hier können Sie gezielt nach Publikationen suchen.

  
 
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Kontakt

  • Dr. Kirsten Selbmann

    • PIK - Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V., Forschungsfeld III - Nachhaltige Lösungsstrategien
    • Telegrafenberg A51
    • 14473 Potsdam
    • Telefonnummer: + 49 (0)331 288 2672
    • E-Mail-Adresse: