Biokraftstoffe als sozialer Treibstoff

Laufzeit: vorauss. 01.08.2009 - 31.07.2013
Ausgangslage
Aufgrund des globalen Klimawandels geraten fossile Brennstoffe zunehmend in die Kritik, wohingegen Substituierungen aus Bereichen nachwachsender Rohstoffe gefördert werden. Besonders im Bedürfnisfeld Mobilität wird nach Alternativen zur motorisierten Fortbewegung auf Grundlage fossiler Energieträger gesucht. Sowohl auf EU- als auch auf nationalstaatlicher Ebene (Erneuerbare-Energien-Gesetz; Biomasse-Nachhaltigkeitsverodnung Deutschland, Cramer Commission Niederlande) werden Wege eruiert, wie gesetzliche Regelungen zu Biokraftstoffen aussehen könnten. Die bis dato vorhandenen Zertifizierungssysteme fokussieren auf Nachhaltigkeit in der ökologischen und ökonomischen Dimension. Sie enthalten jedoch kaum Richtlinien, welche den Kriterien sozialer Gerechtigkeit Rechnung tragen oder vorgeben, wie mit möglicherweise auftretenden Problemlagen zweiter Ordnung umzugehen sei, zum Beispiel mit Nutzungskonkurrenzen der Anbauflächen und dem verstärkten Einsatz Grüner Gentechnik in Exportländern. Dies sind Gründe dafür, dass das Themenfeld Biokraftstoffe zusehends auf die Agenden national- und international agierender Nicht-Regierungsorganisationen rückt und insbesondere vor dem Hintergrund steigender Nahrungsmittelpreise kontrovers diskutiert wird.
Kann "Bio"-Treibstoff gemäß dem Schlagwort biofuel as social fuel zu einem Synonym für gesellschaftlichen Fortschritt im Sinne langfristiger globaler Lernprozesse werden? Dies würde einen sozial-ökologischen Transformationsprozess in Nord und Süd bedeuten, der technologische Neuerungen ebenso einschließt wie Veränderungen in den Produktionsweisen und den Konsumgewohnheiten. Social fuel zielt somit auf globale Nachhaltigkeit in ihrer Dreidimensionalität ab. Die Forschergruppe wird anhand von zwei Regionen (Brandenburg, Region um Ribeirão Preto im Bundesstaat São Paulo in Brasilien) untersuchen, ob und unter welchen politischen Rahmenbedingungen (Nachhaltigkeitsstandards, eine entsprechende Instrumentierung, Anreizsysteme) eine nachhaltige Produktion und Nutzung von Biokraftstoffen möglich ist.
Projektziel
Ziel des Projektes ist es, Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe im Rahmen bestehender Zertifizierungsansätze am Beispiel von Brandenburg und Ribeirão Preto zu evaluieren, Strategien und Instrumente für eine nachhaltige Biokraftstoffproduktion und -nutzung anhand der Untersuchung der Regionen zu entwickeln sowie modellgestützte zielgruppenspezifische Handlungsstrategien zu formulieren.
Konkrete Aufgaben des Vorhabens:
Projektkoordination
Kirsten Selbmann
PIK - Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V.
(Potsdam Institute for Climate Impact Research)
Forschungsfeld III - Nachhaltige Lösungsstrategien
Telegrafenberg A51
14473 Potsdam
Tel.: + 49 (0)331 288 2672
selbmann[at]pik-potsdam.de
www.pik-potsdam.de