Zwischenergebnisse des AB 6 für den Zeitraum 01/2006 - 07/2007

In dieser Arbeit werden die Kosten- und Nutzeneffekte speziell für Mais und Raps sowie die aus ihnen hergestellten Verarbeitungsprodukte betrachtet. Die Untersuchung bezieht sich dabei ausschließlich auf die Lebensmittelherstellung bzw. -verarbeitung und klammert den Bereich der Urproduktion und den Erfassungshandel ebenso aus, wie den Einsatz beider Früchte für energetische, Futtermittel- und sonstige industrielle Zwecke. Um einen genauen Überblick über die aktuelle Situation zu erhalten, wurde im Herbst 2006 eine Befragung bei Unternehmen der Ernährungsindustrie durchgeführt, um den sich aus dem Nebeneinander von GVO- und GVO-freier Ware evtl. ergebenden zusätzlichen Investitions- und Betriebsaufwand zu analysieren und quantitativ abzuschätzen.

 

Kostenanalyse

Bei der Auswertung der beantworteten Fragebögen wurde deutlich, dass alle teilnehmenden lebensmittelverarbeitenden Betriebe vollständig auf den Einsatz von GVO-Ware verzichten. In diesen Fällen kommt eine GVO-Vermeidungsstrategie zum Einsatz; die Trennungs- und die GVO-Strategie finden sich in der Stichprobe nicht. Auch Lebensmittelverarbeiter und -produzenten, die sich letztlich nicht an der Befragung beteiligt haben, wiesen bei der telefonischen Kontaktaufnahme häufig darauf hin, dass man keine GVO verarbeite und das Thema 'GVO' für das Unternehmen daher von geringer Relevanz sei. Die GVO-Vermeidungsstrategie scheint daher im Mais- und Rapsbereich die aktuell dominierende Strategie in der deutschen Ernährungswirtschaft zu sein. Aufgrund dieses Ergebnisses beziehen sich alle folgenden Angaben zu den entstehenden Kosten ausschließlich auf die Sicherstellung des alleinigen Einsatzes GVO-freier Ware.

Dass bereits beim Wareneingang ausschließlich GVO-freie Ware in den Betrieb gelangt, wird in den betrachteten Fällen auf unterschiedliche Weise sichergestellt. Die häufigste Art ist die Gewährleistung der GVO-Freiheit durch die Lieferanten. Diese werden von 64 % der befragten Betriebe aufgefordert, die GVO-Freiheit ihrer Produkte zu bestätigen. An zweiter Stelle folgt die Durchführung externer Laboranalysen. Insgesamt 33,3 % der Betriebe lassen so die gelieferte Ware überprüfen. Der Verzicht auf jegliche Art der Sicherstellung der GVO-Freiheit der Produkte konnte lediglich in zwei Fällen beobachtet werden.

Bei der Betrachtung der Investitionskosten wird deutlich, dass diese bei einer GVO-Vermeidungsstrategie nicht von Bedeutung sind. So fallen weder für Labore noch für Läger für evtl. verworfene Chargen in den befragten Betrieben zusätzliche Aufwendungen an. Lediglich ein Unternehmen gibt an, in geringem Umfang (200 €) in die Durchführung der notwendigen Kontrollen auf GVO investiert zu haben. Dieses Ergebnis ist darauf zurückzuführen, dass vorwiegend externe Labore die Analyse auf GVO-Freiheit übernehmen oder die Lieferanten selbst die GVO-Freiheit bescheinigen müssen. Investitionen in den mais- und rapsverarbeitenden Betrieben sind in diesen Fällen nicht erforderlich.

Anders sieht dies bei den laufenden Kosten aus. Vorgegeben waren die Antwortkategorien der Kosten für Material, Probenziehung, Reinigung, Dokumentation, Personal und Instandhaltung. Weiterhin hatten die Probanden die Möglichkeit, unter dem Punkt 'Sonstiges' frei zu antworten. Die häufigsten Zusatzkosten in den befragten Unternehmen gehen auf vermehrte Dokumentation (ca. 89 %), zusätzlich benötigtes Personal (61,1 %) sowie die anfallenden Probenziehungen (55,6 %) zurück. Unter 'Sonstiges' geben 55,6 % der Befragten an, dass die externe Analytik zusätzliche Kosten verursacht. Andere Kostenkategorien spielen keine Rolle. So wird zusätzliches Material, z.B. zur Probenziehung, in rund 94 % der Fälle nicht benötigt. Vermehrte Reinigungsvorgänge fallen lediglich bei 5,6 % der befragten Unternehmen an. Über zusätzliche Instandhaltungskosten oder erhöhte Rohstoffkosten wurde von keinem Betrieb berichtet.

Dass nicht über höhere Rohstoffkosten berichtet wird, ist bei den hier betrachteten Betrieben nicht überraschend, da Mais und Raps für die Lebensmittelverarbeitung ausreichend aus europäischer, GVO-freier Produktion zur Verfügung stehen. Sofern in der Literatur (z.B. BROOKES, CRADDOCK UND KNIEL 2005) erhebliche, teilweise im zweistelligen Prozentbereich liegende Steigerungen der Rohstoffkosten für pflanzenölverarbeitende Betriebe genannt werden, beziehen sich diese Angaben auf den Austausch von nicht GVO-freien Ölen, etwa Sojaöl, durch GVO-freies Raps- oder Sonnenblumenöl. Bislang haben rapsverarbeitende Unternehmen dagegen keine entsprechenden Kostensteigerungen zu tragen gehabt.

Die laufenden Kosten sollten in €/t Raps bzw. Mais angegeben werden. Für die Stichprobe ergeben sich im - nicht mit den jeweiligen Verarbeitungsmengen gewichteten - Mittel rund 23,70 €/t laufende Kosten für die Vermeidung von GVO. In die Berechnung wurde ein Ausreißer (2500 €/t) nicht mit einbezogen, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Die höchsten Kosten entstehen dabei für die externen Analysen (4,79 €/t). Auf den nächsten Plätzen folgen die Dokumentationskosten mit 4,50 €/t, Personalkosten (3,82 €/t), Kosten für zusätzlich benötigtes Material (1,30 €/t) sowie Kosten der Probenziehung (0,78 €/t). Für die Reinigung werden 0,57 €/t veranschlagt. Setzt man die Häufigkeit der Nennungen der einzelnen Kostenkategorien und die Kostenhöhe in Beziehung zueinander, so wird deutlich, dass die Probenziehung zwar häufig genannt wird (55,6 %), die daraus resultierenden Kosten (0,78 €/t) allerdings gering sind. Tabelle 1 liefert einen Überblick über den Anteil der Betriebe, die die einzelnen Kostenarten genannt haben, sowie die aus diesen Angaben ermittelte mittlere Kostenhöhe.

Tabelle 1: Kostenarten und -höhe
Kostenarten Häufigkeiten der Kosten in % Durchschnittliche Kosten
Gesamte Investitionskosten - 200 €
Laboreinrichtungen - -
Lager für verworfene Chargen - -
Rückstellmuster, Kontrolle im Betrieb 8,7 200 €
Laufende Kosten in €/t - 23,70 €/t
Material für Laboranalytik 5,6 1,30 €/t
Probenziehung beim Wareneingang 55,6 0,78 €/t
Reinigung 5,6 0,57 €/t
Dokumentation 88,9 4,50 €/t
Personal 61,1 3,82 €/t
Instandhaltung - -
Externe Laboranalysen 55,6 4,79 €/t

Bei der Berechnung der durchschnittlichen laufenden Kosten ist zu beachten, dass neben dem vernachlässigten Ausreißer ein weiterer relativ hoch erscheinender Wert (300 €/t) einbezogen wurde. Auch dieser Wert hat angesichts der relativ geringen Zahl von Unternehmen, die zur Teilnahme an der Befragung bereit waren, einen relativ starken Einfluss auf die ausgewiesenen Durchschnittskosten. Dieser Wert wurde daher in einem zweiten Durchgang ebenfalls aus der Stichprobe ausgeschlossen. Daraufhin ergaben sich im Durchschnitt folgende, in Tabelle 2 genannte laufende Kosten, sowie die dargestellten Höhen der einzelnen Kostenarten.

Tabelle 2: Durchschnittliche laufende Kosten (sämtliche Ausreißer gelöscht)
Kostenarten Durchschnittliche Kosten
Laufende Kosten in €/t 2,46 €/t
Material für Laboranalytik 0,14 €/t
Probenziehung beim Wareneingang 0,08 €/t
Reinigung 0,06 €/t
Dokumentation 0,47 €/t
Personal 0,40 €/t
Instandhaltung -
Externe Laboranalysen 0,50 €/t

In Tabelle 2 werden die unterschiedlichen Kostenausprägungen für die Situation sichtbar, in der beide Ausreißer nicht mit in die Berechnung einbezogen werden. Wie zu erkennen ist, sind die Werte deutlich geringer als im ersten Fall. So ergeben sich für die laufenden Kosten im Durchschnitt 2,46 €/t. Auf die externen Analysen entfallen 0,50 €/t, auf die Dokumentation 0,47 €/t und das Personal 0,40 €/t. Weiterhin können Aufwendungen für Material (0,14 €/t), für die Probenziehung (0,08 €/t) und für die Reinigung (0,06 €/t) verzeichnet werden.

Bezieht man die ermittelten durchschnittlichen Investitions- und laufenden Kosten auf die gesamte Produktionsmenge, ist eine näherungsweise Abschätzung der Kostenbelastung der Gesamtwirtschaft durch den Parallelbetrieb von GVO- und GVO-freier Ware im Raps- und Maisbereich möglich. Unter der Annahme einer hohen Kostenbelastung von 23,70 €/t ergeben sich für die Maisproduktion insgesamt 26,07 Mio. € und für die Rapsproduktion 27,25 Mio. € zusätzliche laufende Kosten pro Jahr. Für den Fall, dass beide Ausreißer nicht mit einbezogen werden und nur mit 2,46 €/t gerechnet wird, errechnen sich für die Maisproduktion 2,71 Mio. € und für die Rapsproduktion 2,83 Mio. € jährliche Zusatzkosten. Unabhängig davon, welche Werte letztlich als realitätsnäher betrachtet werden, wird eine eher untergeordnete Rolle der entstehenden Kosten für den Parallelbetrieb GVO/GVO-frei deutlich. Die gesamtwirtschaftliche Belastung ist für die gegenwärtig bereits raps- und maisverarbeitenden Betriebe relativ klein, was sich vor allem mit der bei Raps und Mais bislang noch leicht und uneingeschränkt realisierbaren GVO-Vermeidungsstrategie und den in der Folge nur in sehr geringem Maße notwendigen zusätzlichen Aufwendungen im Produktionsbetrieb begründen lässt. In der Literatur zum Teil genannte deutlich höhere Werte (z.B. BROOKES, CRADDOCK UND KNIEL 2005) beziehen sich dagegen - wie bereits an anderer Stelle betont - auf den Austausch von Waren, bei denen GVO-Freiheit nicht mehr oder nur unter Inkaufnahme sehr hoher Kosten gewährleistet werden kann.

 

Ansprechpartner

Für Rückfragen, Anregungen und Kommentare stehen wir gerne zur Verfügung.
Bitte wenden Sie sich dazu gerne an:
Institut für Agrarökonomie, Universität Göttingen

 

Weiterführende Literatur

Brookes, G., Craddock, N., Kniel, B. (2005). Der Globale Markt für GVO-Produkte: Auswirkungen auf die Lebensmittelkette in Europa; eine Analyse der Kennzeichnungsvorschriften, Marktdynamik und Kosten, URL: http://www.pgeconomics.co.uk/pdf/Executive%20Summary_Ger_Cost%20Report_30Sep05.pdf, Abrufdatum: 03.05.06.