Zwischenergebnisse des AB 4 für den Zeitraum 01/2006 - 07/2007

Zielstellung:

Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) führt aufgrund ihrer, zu den konventionellen Sorten unterschiedlichen, Eigenschaften und gesetzlicher Vorgaben zu Veränderungen der Anbaupraxis in den landwirtschaftlichen Betrieben. Bei einem großflächigen Anbau von GVP könnte sich dies auch in den regionalen Anbaustrukturen widerspiegeln. Die Analyse dieser Veränderungen hinsichtlich der ökonomischen Auswirkungen für die Betriebe aber auch agrarstrukturell ist Aufgabe des vom  Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. durchgeführten Teilprojektes.

Dazu sind:

  • Risiken und Konflikte des Anbaus von GVP in ihren Beziehungen zu landschaftlichen und landwirtschaftlichen Merkmalen darzustellen
  • Strategien zur deren Vermeidung oder Verminderung abzuleiten
  • standörtliche und betriebswirtschaftliche Handlungsoptionen für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu analysieren
  • Szenarien eines zukünftigen Anbaus von gentechnisch verändertem und nicht gentechnisch verändertem Mais und Raps zu entwickeln

Grundlage ist die Analyse des "IST"- Zustands der regionalen Anbaustrukturen in Nordostdeutschland insbesondere für Brandenburg und Schleswig-Holstein.

Mittels der statistischen Auswertung unterschiedlicher Datenquellen und Expertenbefragungen erfolgt eine "Regionalisierung der Anbaustruktur". Als Datenquellen dienen die von den statistischen Ämtern des Bundes- und Länder durchgeführte Agrarstrukturerhebung und Realnutzungsdaten aus verschiedenen Untersuchungsgebieten sowie die Angaben des Standortregisters des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in welchem jede Anbaufläche von gentechnisch verändertem Mais (B.t.-Mais) verzeichnet ist.

 

Erste Ergebnisse: Regionalisierung der Anbaustruktur

Die Auswertungen zur Agrarstruktur zeigen, dass zwischen den Bundesländern Brandenburg und Schleswig-Holstein deutliche Unterschiede bei den Schlag- und Betriebsgrößen, den vorherrschenden Betriebstypen sowie dem Anteil des ökologischen Landbaus bestehen (Tab. 1). Diese Faktoren müssen in der betriebswirtschaftlichen Analyse sowie in der Modellierung der Einkreuzung von GV-Mais (AB 2) und der Betroffenheitsanalyse (AB 3) berücksichtigt werden.

Tabelle 1: Auswertungen der Agrarstruktur in Brandenburg Schleswig-Holstein
Brandenburg Schleswig-Holstein
Mittlere Betriebsgröße 198 ha 53 ha
Anbaukonzentration Silomais 9,5 %
(97 395 ha)
13,8 %
(86 392 ha)
Bt-Maisfläche 2007 1776,4 ha 0,025 ha
Anteil Ökologischer Landbau 508 Betriebe
115 849 ha
344 Betriebe
22 561 ha

Die Verteilung des Maisanbaus und der Anbauanteil von gentechnisch verändertem Mais ist in der Abbildung 1 dargestellt.

Abb. 1: Anteil des Maisanbaus an der Ackerlandfläche und Standorte mit Bt-Mais in Brandenburg

Der Anbau einer landwirtschaftlichen Fruchtart kann bei einer betriebswirtschaftlichen Analyse nicht losgelöst von den anderen im Betrieb angebauten Kulturen betrachtet werden, sondern nur im Kontext aller im Betrieb durchgeführten Produktionsverfahren. So bestehen aus phyto- und bodensanitären Gründen sowie terminlichen Zwängen bezüglich der Arbeitsabläufe Restriktionen hinsichtlich des Fruchtwechsels. Die Anbauwürdigkeit einer Feldfrucht in einer Region wiederum hängt von den standortspezifischen und klimatischen Bedingungen ab.

Die Agrarstrukturerhebung liefert Angaben zu den Anbauanteilen unterschiedlicher Fruchtarten innerhalb von Landkreisen. Mittels eines statistischen Verfahrens (TWINSPAN Clusteranalyse) können diejenigen Landkreise, die ähnliche Anbaustrukturen aufweisen, zu Gruppen zusammengefasst werden. Durch die  Kombination dieses Verfahrens mit der Analyse von Realnutzungsdaten, die Aussagen über die Vor- und Nachfrüchte der angebauten Kulturen liefern, können regionale Fruchtfolgen entwickelt werden (Abb. 2).

Abb. 2: Klassifizierte Anbaustruktur (Anbaucluster)

Wird der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in den Betrieb aufgenommen, so hat dies Auswirkungen auf den gesamten Betriebsablauf und einzelne Produktionsverfahren.

Langfristige Auswirkungen des Anbaus von GV-Mais können sowohl durch die Entstehung von Persistenzen als auch durch die Veränderung der Anbausysteme entstehen (Abb. 3).

Abb. 3: Mögliche langfristige Auswirkungen des GV-Maisanbaus

Für die betriebswirtschaftliche Wirkungsanalyse wurden in einem ersten Schritt die Produktionsverfahren des konventionellen Silomaisanbaus denen des Anbaus von B.t.-Mais gegenübergestellt. Ausgehend von einem bekämpfungswürdigen Maiszünslerbefall wurden die Bewirtschaftungskosten für drei Produktionsverfahren ermittelt. Unterstellt wurde, dass in den zwei konventionellen Anbauverfahren die Bekämpfung des Maiszünslers entweder durch Pflugeinsatz oder Insektizidbehandlung bei pflugloser Bewirtschaftung erfolgt. Die Kostenrechnungen beziehen sich auf Böden mittlerer Standortqualität und eine Schlaggröße von 20 ha (durchschnittliche Größe der Maisschläge in Brandenburg).

Abbildung 4 zeigt die für die ausgewählten Produktionsverfahren des Silomaisanbaus ermittelten Kosten pro Dezitonne geernteter Frischmasse bei einem relativ geringen Ertrag von 238 dt FM/ha. Die Variante des B.t.-Maisanbaus verursacht die geringsten Kosten. Die höchsten Kosten entstehen durch den Einsatz des Pfluges, die Kosten des konventionellen Maisanbaus mit Insektizideinsatz liegen nur leicht über denen des B.t.-Maisanbaus.

Die Kostenanalyse basiert auf standardisierten Annahmen der Maschinenkosten, welche im weiteren Verlauf des Projektes präzisiert werden. Die Praxisrelevanz dieses Verfahrens ist jedoch aufgrund der schwierigen Terminierbarkeit des Insektizideinsatzes und der auslaufenden Zulassung des Präparates als eher gering einzustufen.
Abb. 4: Vorläufige Ergebnisse der Kostenanalyse für 3 Varianten des Produktionsverfahren Silomais mit Maiszünslerbekämpfung (Frischmasseertrag = 238 dt/ha)

 

Ansprechpartner

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Bitte wenden Sie sich dazu gerne an:
Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF), Institut für Landnutzungssysteme und Landschaftsökologie