Zwischenergebnisse des AB 3 für den Zeitraum 01/2006 - 07/2007

Der Arbeitsbereich 3 "Wirkungsanalyse, Raumbezug Schleswig-Holstein, GIS-Modellkopplung und -anwendung Mais" wird vom Ökologie-Zentrum der Universität Kiel durchgeführt.
Haupt-Arbeitsgebiet des Ökologie-Zentrums sind umweltbezogene Forschungsfragen sowohl aus der ökologischen Grundlagenforschung als auch aus der angewandten Umweltforschung (im terrestrischen und auch im marinen Bereich). Wichtiges Anliegen ist stets, dass Grundlagenforschung und angewandte Umweltforschung in ein vorsorgeorientiertes Umweltmanagement münden.

Die Arbeitspakete von Arbeitsbereich 3 lauten:

  • AP 3.1 GIS-Modellierung und Modellanwendung zur Quantifizierung der Auswirkung des B.t.-Mais-Anbaus
  • AP 3.2 Kopplung der ökologischen Modellierung und Wirkungen des Anbaus von B.t.-Mais und GV-Raps mit sozio-ökonomischen Implikationen

Im Arbeitsbereich 3 geht es darum, Betroffenheitskulissen über räumliche Analysen zu quantifizieren. Das geschieht vorrangig für Schleswig-Holstein, es werden aber auch Fallbeispiele aus einzelnen Regionen Brandenburgs zumVergleich herangezogen.
Arbeitsbereich 3 identifiziert also räumliche Muster und stellt Einschränkung der Handlungsoptionen für einzelne Betroffene dar und quantifiziert sie. Letzlich wird damit auch Transparenz für die Reichweite von Entscheidungen hergestellt.

Im Folgenden werden exemplarisch zwei Arten von Zwischenergebnissen vorgestellt:

 

Konfliktpotenzial Imker vs. potentieller GVO-Raps-Anbau

Nicht allein aufgrund der heftigen und kontroversen Diskussion ist eine wichtige Frage, ob und inwieweit in Schleswig-Holstein Konfliktpotenzial zwischen den ansessigen Imkern und einem potentieller GVO-Raps-Anbau besteht.

Für diese Untersuchungen wurden landsat-Flächendaten zugrunde gelegt, Literaturrecherchen durchgeführt und zufällig ausgewählte Imker befragt.

Exemplarisches Ergebnis: Szenario für einen exemplarischen mittelgroßen Imkerbetrieb im östlichen Hügelland.

Der betrachtete Imkerbetrieb hat 22 Wirtschaftsvölker (und 8 Jungvölker) an fünf Standorten und bewirtschaftet je nach angenommenem (kreisförmigem) Aktionsradius der Bienen Flächen von 28,27 km² (Radius 3 km), 113,10 km² (6 km) oder 452,39 km² (12 km, Abb. 1). Grundsätzlich besteht große Flächenüberschneidung mit Rapsanbauflächen und damit auch Konfliktpotenzial (Abb. 1).

Abb. 1: Beispiel Rapsanbau und Imkerei im östlichen Hügelland: Mit Raps bewirtschaftete Schläge im Jahr 2000 (rot) und Wirtschaftsfläche eines mittelgroßen Imkereibetriebs 

In Schleswig-Holstein gibt es 2.665 (im DEUTSCHEN IMKERBUND E.V. organisierte) Imker (Stand 31.12.04) und 23511 (beim DIB gemeldete) Bienenvölker (DIB, 2005).

Es läst sich feststellen, dass ein Anbau von GVO-Raps in Schleswig-Holstein in jedem Fall auf derzeit durch Imkerei genutzten Flächen stattfinden müsste. Da sehr viele Imker angeben, aus ihrer subjektiven Betroffenheit dann die Imkerei aufzugeben, wären auch ein Rückgang der Bestäubungsleistung und daraus resultierend Ertragseinbußen der Landwirtschaft die indirekten Folgen von GVO-Anbau. Zudem wären mit der Imkerei verbundene Arbeitsplätze und Existenzen gefährdet.

 

Flächendeckende Bestimmung des GV-Anteils im Raps-Erntegut für Schleswig-Holstein

Der Lebenszyklus von Winterraps und die Anbaumaßnahmen umfassen viele einzelne Prozesse. Eintrittspfade von GV-Raps in das Erntegut von konventionellem Raps sind (mengenmäßig) vorallem durch die folgenden vier Prozesse gegeben:

  • Verunreinigung des Saatguts
  • Samen im Boden (Samenbank, Durchwuchs)
  • Pollentransport von benachbarten Schlägen
  • Pollenferntransport

Für die Berechnungen wurden Datenanalysen und Kurvenanpassungen anhand von Datensätzen aus der Literatur und abgeschlossenen Vorgängerprojekten durchgeführt. Für die einzelnen Eintragspfade wurden dabei aus den möglichen Wertebereichen stets mittlere bzw. geringe Werte angenommen. Die Übertragung in die Fläche erfolgte durch GIS-Anwendungen anhand einer räumlich sehr hoch aufgelösten Datenbasis für Schleswig-Holstein und anschließede Aggregation der Daten.

Exemplarisches Ergebnis: Mittelwert des Anteils von GV-Raps im konventionellen Erntegut für gesamt Schleswig-Holstein.

Unter den genannten Annahmen ergab die flächendeckende Berechnung des Anteils von GV-Raps im konventionellen Erntegut für gesamt Schleswig-Holstein einen Mittelwert von 0,35 %. Der Minimalwert wird durch die Annahme der Verunreinigung des Saatguts mit 0,15 % GV-Raps bestimmt, als Maximalwert ergab sich ein Wert von fast 23 % GV-Anteil im konventionellen Raps-Erntegut (Tab. 1).

Tabelle 1: Anteil GV-Raps im konventionellen Raps in Schleswig-Holstein gesamt
Anteil GV-Raps im konventionellen Raps gesamt
Mittelwert 0,35
Min 0,15
Max 22,67
Standardabw. 1,26
Varianz 1,58

Die Ergebnisse dieser Untersuchung bilden u.a. die Basis für eine ökonomische Bewertung durch Arbeitsbereich 6.

 

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Ökologie-Zentrum , Christian Albrechts Universität Kiel